Emma Stone hat bei den Oscars 2024 für die wohl größte Überraschung des Abends gesorgt. Die Schauspielerin gewann den Preis als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in Yorgos Lanthimos' Film „Poor Things“ und setzte sich damit gegen die favorisierte Lily Gladstone durch. Viele Filmfans und Experten hatten mit einem Sieg von Gladstone gerechnet, die für „Killers of the Flower Moon“ nominiert war und als erste indigene Schauspielerin in dieser Kategorie Geschichte hätte schreiben können. Doch die Academy entschied sich anders – und Stone selbst wirkte überwältigt.
Der überraschende Moment auf der Bühne
Als Michelle Yeoh den Namen von Emma Stone verlas, war die „Poor Things“-Darstellerin sichtlich geschockt. Sie kam auf die Bühne, ihr Gesicht spiegelte ehrliches Erstaunen wider. „Mein Kleid ist kaputt“, sagte sie fassungslos und erklärte, dass dies während Ryan Goslings Musical-Nummer „I'm Just Ken“ passiert sein müsse. Doch dann fand sie schnell ihre Dankesworte: „Die Frauen auf dieser Bühne, ihr seid alle unglaublich, und die Frauen in dieser Kategorie – Sandra, Annette, Carey, Lily –, ich teile dies mit euch. Ich bin voller Ehrfurcht vor euch.“ Stone betonte, dass der Film ein Gemeinschaftswerk sei: „Es geht nicht um mich. Es geht um das Team, das zusammenkam, um etwas zu schaffen, das besser ist als die Summe seiner Teile.“
Der Weg zum Sieg: Ein knappes Rennen
Die Kategorie der besten Hauptdarstellerin war in diesem Jahr außergewöhnlich stark besetzt. Neben Stone und Gladstone waren auch Sandra Hüller („Anatomie eines Falls“), Annette Bening („Nyad“) und Carey Mulligan („Maestro“) nominiert. Während der gesamten Awards-Saison hatten sich die Favoritinnen die Preise geteilt: Gladstone gewann den Screen Actors Guild Award und einen Golden Globe (für Drama), Stone erhielt den Golden Globe für eine Komödie, den BAFTA Award und den Critics Choice Award. Die Oscars waren somit der entscheidende Showdown – und Stone setzte sich durch.
Der Sieg ist umso bemerkenswerter, weil Gladstone als erste Native American-Schauspielerin in dieser Kategorie nominiert war und viele einen historischen Sieg erwarteten. Doch die Jury würdigte Stones intensive Verkörperung der Bella Baxter, einer Frau, die nach einem Selbstmordversuch von einem exzentrischen Wissenschaftler wiederbelebt wird – mit dem Gehirn ihres eigenen ungeborenen Babys. Diese Rolle beschrieb Stone als ihre liebste in ihrer fast 20-jährigen Karriere.
Emma Stone: Eine zweifache Oscar-Gewinnerin
Mit 35 Jahren hat Emma Stone nun ihren zweiten Oscar als beste Hauptdarstellerin gewonnen. Ihren ersten erhielt sie 2017 für das Musical „La La Land“ unter der Regie von Damien Chazelle, in dem sie neben Ryan Gosling spielte. Damit tritt sie in die Fußstapfen von Legenden wie Bette Davis, Elizabeth Taylor und Meryl Streep – nur eine Handvoll Schauspielerinnen haben diesen Preis zweimal erhalten. Stones Karriere begann mit der Teenie-Komödie „Superbad“ (2007), gefolgt von Rollen in „Easy A“ (2010), „The Help“ (2011) und „Birdman“ (2014). In den letzten Jahren arbeitete sie verstärkt mit Yorgos Lanthimos zusammen, zunächst in „The Favourite“ (2018) und nun in „Poor Things“.
Poor Things: Ein feministischer Frankenstein
„Poor Things“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alasdair Gray und erzählt die Geschichte von Bella Baxter, die nach ihrer Wiederbelebung die Welt mit kindlicher Neugierde entdeckt. Der Film, der in den Kritiken höchst unterschiedlich aufgenommen wurde, wird von GLAMOUR-Redakteurin Hannah Madlener als „eine lebensbejahende, feministische und unglaublich lustige neue Variante von Frankenstein“ beschrieben. Stones Darstellung wurde als „mutig, komisch und zutiefst berührend“ gelobt. Der Film gewann auch den Oscar für das beste Szenenbild und das beste Make-up.
Die Freundschaft zwischen Stone und Gladstone
Trotz der Konkurrenz entwickelten Emma Stone und Lily Gladstone während der Awards-Saison eine enge Freundschaft. Gladstone verriet in einem Interview, dass sie sich gegenseitig „Infinity Stones“ nennen und dass Stone ihr einen Ring geschenkt habe. Bei den SAG Awards sprang Stone sofort auf und applaudierte begeistert, als Gladstone den Preis gewann. Diese gegenseitige Wertschätzung zeigt, dass der Wettbewerb nicht zu persönlichen Spannungen führte – im Gegenteil: Beide Schauspielerinnen stärkten sich gegenseitig und feierten ihre Erfolge gemeinsam.
Die Oscars 2024 werden als ein Abend in Erinnerung bleiben, an dem eine der knappsten Entscheidungen getroffen wurde. Emma Stone hat mit ihrem Sieg nicht nur ihre eigene Karriere gekrönt, sondern auch bewiesen, dass unerwartete Wendungen die Magie der Academy Awards ausmachen. Ihr Weg von der überraschten Gewinnerin auf der Bühne bis hin zur etablierten zweifachen Oscar-Preisträgerin ist eine Inspiration für viele junge Schauspielerinnen.
Source: GLAMOUR News