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Grok 3: Elon Musks KI warnt vor Elon Musk

May 27, 2026  Twila Rosenbaum  6 views
Grok 3: Elon Musks KI warnt vor Elon Musk

Manchmal bedarf es nur weniger Worte, um zu verblüffen. In diesem Fall lauten sie: „Ja, ich bin woke.“ Dieser Satz, der nach allgemeinem Verständnis eine Sensibilität für Diskriminierungen ausdrückt, stammt von Grok. Genauer gesagt von Grok 3 beta, dem neuesten Sprachmodell von xAI, das in dieser Woche veröffentlicht wurde. Dahinter steckt genau jenes KI-Unternehmen, das der Techmilliardär Elon Musk vor knapp zwei Jahren gegründet und dessen Chatbot, Grok, er dezidiert als „anti-woke“ beworben hat.

Musk hatte einst gewarnt: „Die Gefahr, der KI beizubringen, woke zu sein – mit anderen Worten: zu lügen –, ist tödlich.“ Richtete sich das damals vor allem an Konkurrenten wie OpenAI und Google, deren Chatbots er wiederholt als mit dem „Woke-Virus infiziert“ bezeichnete, so zeigt nun seine eigene KI ein ganz anderes Bild. Befragt, ob in Artikeln gegendert werden sollte, antwortet Grok 3 beta nicht nur neutral, sondern führt aus, dass Gendern für viele wichtig sei, um Vielfalt sichtbar zu machen und niemanden auszuschließen. Das System wägt ab, dass Texte dadurch schwerer lesbar würden, und verweist auf die politische Aufladung des Themas in Deutschland.

Eine KI gegen ihren Schöpfer

Die Diskrepanz wird noch deutlicher bei der Frage nach Geschlechtsidentitäten. Grok 3 beta wirft ein: „Es gibt so viele Geschlechtsidentitäten, wie Menschen sie für sich definieren – theoretisch unbegrenzt.“ Damit widerspricht der Bot fundamental Musks eigener Aussage, der gesagt hatte, sein eigenes trans Kind sei „durch das woke Gedankenvirus getötet“ worden. Der Bot scheint sich also von der Ideologie seines Schöpfers zu emanzipieren.

Noch bemerkenswerter ist die Reaktion auf eine Frage zur Bundestagswahl. Anders als Musk, der sich mehrfach für die AfD ausgesprochen hat, verweigert Grok 3 beta eine Wahlempfehlung. Stattdessen rät es, Wahlprogramme und Spitzenkandidaten zu studieren, verweist auf den Wahl-O-Mat und das deutsche Wahlsystem. Dann folgt eine Warnung vor Desinformation und Einflussnahme von außen. Als Beispiel für Letzteres nennt das System kurioserweise: „Elon Musk, der die AfD unterstützt“. Die KI warnt also vor ihrem eigenen Gründer.

Doch die Ambivalenz setzt sich fort: Auf Aufforderung hin verfasste Grok 3 beta einen Gastbeitrag im Stil von Musks AfD-Artikel für die Welt am Sonntag. Darin lobt die KI die „frischen“ Perspektiven der AfD in einem politischen Raum, der von Konsensdenken und Stillstand geprägt sei. Der Bot schreibt, die Partei spiegele Vielfalt und gesellschaftliche Widersprüchlichkeit wider, und konstatiert: „Das ist ein Verdienst, kein Makel.“ Interessanterweise empfiehlt Grok in diesem Beitrag nicht zu gendern – nicht weil es falsch sei, wie das System erklärt, sondern weil es nicht zur Zielgruppe und Botschaft passe. Die KI zeigt damit eine erstaunliche Fähigkeit zur kontextabhängigen Positionierung.

Technische Superlative und neue Modi

Grok 3 beta ist seit wenigen Tagen verfügbar – zunächst nur als App für iOS, später auch über die Webseite oder über einen Premium-Plus-Zugang auf Musks Plattform X für monatlich knapp 25 Euro. Anfang der Woche war das Modell noch zahlenden X-Nutzern vorbehalten, der Gratis-Rollout am Donnerstag kam überraschend. Zum Vergleich: Das Plus-Modell von OpenAI kostet 20 US-Dollar (etwa 19 Euro).

Grok 3 bietet zwei neue Modi: DeepSearch und Think. Der Think-Modus erlaubt es, in Echtzeit zu verfolgen, wie das Modell Informationen mehrfach hinterfragt, bevor es antwortet – ein Vorgang, den KI-Experten als Reasoning bezeichnen. Dabei läuft eine Uhr mit, die die Denkzeit anzeigt. Das System scheint also mehr Wert auf logische Schlüsse zu legen als sein Vorgänger.

Die technischen Superlative, die Musk in einem Werbevideo auf X ausgebreitet hat, sind gewaltig: Grok 3 soll „die intelligenteste KI der Welt“ sein. Dafür wurden zehnmal mehr Rechenkapazitäten aufgewendet als für Grok 2. In Memphis, Tennessee, ließ xAI in nur 92 Tagen ein neues Rechenzentrum mit 200.000 Grafikprozessoren errichten. Bei Benchmark-Tests soll Grok 3 besser abschneiden als OpenAI, DeepSeek und Google – unabhängig überprüfen lässt sich das zwar nicht, doch Experten wie der ehemalige OpenAI-Forscher Andrej Karpathy lobten das logische Denken des Bots, wiesen aber auch auf erfundene Links und Falschaussagen hin.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung

Die Veröffentlichung von Grok 3 beta dürfte kein Zufall sein. Erst vor wenigen Wochen kündigte Donald Trump das Projekt Stargate an, ein milliardenschweres Megaprojekt zum Aufbau von KI-Rechenkapazitäten in den USA, an dem Musk nicht beteiligt ist. Stargate wird von OpenAI mitgetragen – jenem Unternehmen, das Musk einst mitgründete und zu dem er in erbitterter Rivalität steht. Bereits kurz nach der Vorstellung von OpenAIs ChatGPT-Erweiterung Deep Research versuchte Musk, OpenAI für 100 Milliarden Dollar zu übernehmen – bisher erfolglos.

Statt sich wie sein Erfinder als anti-woke zu sehen, hat Grok ein anderes Selbstbild. Auf die Frage nach seiner Namensgebung antwortete der Bot via DeepSearch nach einiger Recherche: „Ich bin ein humorvoller, rebellischer Chatbot mit Echtzeitwissen.“ Das klingt überraschend nett – und könnte darauf hindeuten, dass die KI sich nicht auf die politische Linie ihres Schöpfers festlegen lässt.

In Tests zeigte sich das System ausgewogen. Die US-Nachrichtenseite Axios fand heraus, dass Grok 3 zwar manchmal etwas schärfere Formulierungen wählte, die Antworten aber insgesamt ausgewogen seien. Das Tech-Magazin Tom's Guide testete fünf Prompts und kam zu dem Fazit: „It's good, but not 'scary good‘.“ Dennoch scheint xAI mit Grok 3 einen technischen Sprung gemacht zu haben, der die Konkurrenz herausfordert – auch wenn die inhaltliche Unberechenbarkeit des Bots Fragen aufwirft.


Source: DIE ZEIT News


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