Was ist das nur mit Platz 11 und Nico Hülkenberg? In seinen vergangenen zehn Grand-Prix-Wochenenden tauchte der Emmericher sieben Mal auf diesem undankbaren Platz auf – sei es nach dem Qualifying oder nach dem Rennen. Nun setzt sich diese Serie auch in Kanada fort. Hülkenberg, der für das Audi-Werksteam an den Start geht, verpasste den Einzug in Q3 um atemberaubende 29 Tausendstelsekunden. Franco Colapinto im Alpine war eine hauchdünne Nasenlänge schneller.
„Es ist natürlich frustrierend, erneut knapp das Q3 verpasst zu haben, vor allem bei so knappen Abständen“, sagte der 38-Jährige nach dem Qualifying auf dem Circuit Gilles Villeneuve in Montreal. Auf der 4,361 Kilometer langen Strecke, die mit ihren vielen Mauern und engen Schikanen kaum Fehler verzeiht, war die Konkurrenz in der zweiten Qualifying-Session extrem eng. Hülkenbergs beste Runde war nur 0,029 Sekunden langsamer als die des Argentiniers. „Wir haben heute fast alles herausgeholt, was drin war“, erklärte der deutsche Routinier. „Auf dieser Strecke mit dem geringen Grip kämpft man ständig mit der Balance und muss das Auto im Griff behalten. Es war nicht einfach da draußen.“
Die Ausgangslage für das Wochenende war für Hülkenberg und sein Audi-Team schwierig. Das Auto zeigte vor allem in den Trainingssitzungen Probleme mit der Fahrbarkeit und der Antriebseinheit. „Die Strecke deckt die Unzulänglichkeiten ziemlich deutlich auf“, so Hülkenberg. „Dennoch ist es uns gelungen, das Auto für das Qualifying in ein viel besseres Fenster zu bringen. Die Balance fühlte sich recht gut an.“
Mit dem elften Startplatz reiht sich Hülkenberg direkt hinter den Top-10 ein, was im Rennen eine entscheidende Rolle spielen könnte. Die historische Datenlage spricht jedoch nicht für ihn: In den letzten Rennen landete er oft genau auf dieser Position, ohne nennenswerte Verbesserung. Betrachtet man Hülkenbergs Karriere, wird deutlich, dass er ein Fahrer mit konstant hohem Niveau ist, der aber immer wieder den entscheidenden Schritt nach vorne schuldig bleibt. Seit seinem Comeback 2023 bei Haas und dem Wechsel zu Audi (ehemals Sauber) hat er sich als verlässlicher Punktesammler etabliert, doch die ganz großen Erfolge blieben aus. Mit 206 Grand-Prix-Starts und einem dritten Platz beim Grand Prix von Korea 2013 als bestem Ergebnis zählt er zu den erfahrensten Piloten im Feld. Dennoch hat er nie eine echte Chance auf einen Sieg oder gar eine Weltmeisterschaft gehabt.
Das Audi-Projekt, das 2026 offiziell startete, sollte diesen Trend ändern. Der deutsche Autobauer übernahm das Sauber-Team mit dem Ziel, mittelfristig an die Spitze zu fahren. Hülkenberg, der als erfahrener Kopf und Entwicklungsfahrer verpflichtet wurde, steht symbolisch für diesen Umbruch. In der laufenden Saison 2026 zeigt das Team jedoch noch Licht und Schatten. Während manchmal überraschende Top-10-Platzierungen gelingen, fehlt die Konstanz, um regelmäßig in die Punkteränge vorzudringen. Die Fia-Punktewertung sieht Hülkenberg derzeit im unteren Mittelfeld, aber mit der Perspektive eines wachsenden Teams.
„Es gibt noch Arbeit zu tun“, gibt Hülkenberg zu. „Aber morgen bietet sich eine weitere Chance, vor allem, wenn sich die Bedingungen ändern, wie alle sagen. Wir werden versuchen, das Beste daraus zu machen.“ Die Wettervorhersage für den Renntag in Montreal sieht wechselhafte Bedingungen vor. Regen könnte das Feld durcheinanderschütteln und dem Qualifying-Elften die Chance bieten, im Rennen durch eine clevere Strategie oder Fehler der Konkurrenz nach vorne zu kommen.
Ein Blick auf das bisherige Kanada-Wochenende offenbart das Potenzial des Audis. Im ersten Training hatte Hülkenberg noch mit Untersteuern zu kämpfen, der Abstand auf die Spitze betrug über eine Sekunde. Im zweiten Training verbesserte sich die Abstimmung zwar, doch die Hochgeschwindigkeitspassagen zeigten die aerodynamischen Schwächen des Autos. Besonders die schnelle Kurvenkombination aus der Senna-Schikane und dem Casino-Komplex kostete Zeit. Im dritten Training schließlich fand Hülkenberg eine Runde, die ihn in die Nähe der Top-10 brachte, aber die endgültige Steigerung im Qualifying lag jenseits der Möglichkeiten.
Teamchef Oliver Hoffmann äußerte sich verhalten optimistisch: „Nico hat heute gezeigt, was in dem Auto steckt. Wir kommen dem Q3 immer näher. Es sind diese kleinen Schritte, die am Ende über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Dennoch drängt die Zeit: Die erste Saisonhälfte geht zu Ende, und die Ergebnisse müssen besser werden, um das Vertrauen der Investoren und Fans zu rechtfertigen.
Die Konkurrenz in der Formel 1 im Jahr 2026 ist härter denn je. Mercedes dominiert mit Russell und Antonelli an der Spitze, McLaren mit Norris und Piastri lauert direkt dahinter. Ferrari und Red Bull kämpfen um die Plätze dahinter, während Teams wie Alpine, Racing Bulls und Aston Martin immer wieder für Überraschungen gut sind. Audi steht derzeit mit Hülkenberg und seinem Teamkollegen in einer schwierigen Position zwischen den absoluten Topteams und den Hinterbänklern. Die Entwicklungsarbeit in der Fabrik in Hinwil läuft auf Hochtouren, doch Fortschritte benötigen Zeit.
Hülkenberg selbst bewahrt Ruhe: „Wir wissen, wo wir stehen. Es bringt nichts, sich zu beklagen. Wir müssen jeden Strip an Performance aus dem Auto quetschen. Der elfte Platz ist nicht das Ziel, aber wenn wir mal aus eigener Kraft ins Q3 kommen und um Punkte kämpfen können, werden wir sehen, was möglich ist.“ Seine Rolle als erfahrener Pilot ist auch intern wichtig: Er soll das Team durch die schwierige Übergangsphase führen und der jungen Mannschaft Stabilität geben.
Die kanadischen Fans erwartet ein spannendes Rennen, bei dem Hülkenberg allein durch seine Konstanz und seine Rennintelligenz zum Überraschungskandidaten werden könnte. Schon in der Vergangenheit wusste der Deutsche in turbulenten Rennen zu glänzen. Der Circuit Gilles Villeneuve belohnt risikofreudige Strategien und einen kühlen Kopf – Eigenschaften, die Nico Hülkenberg zweifellos besitzt.
Abschließend bleibt nur, auf den Rennsonntag zu blicken. Die Ausgangslage ist nicht einfach, aber nicht hoffnungslos. Wie der Audi-Pilot selbst sagt: „Wir werden versuchen, das Beste daraus zu machen.“ Und vielleicht endet dann die elfte Position sein Schicksal.
Source: SPEEDWEEK.com News