Der Weltklimarat (IPCC) hat in seinem jüngsten Bericht das sogenannte RCP8.5-Szenario offiziell zurückgezogen. Dieses Modell galt lange als das Worst-Case-Szenario der Klimaforschung: Es prognostizierte einen Temperaturanstieg von fast fünf Grad bis zum Ende des Jahrhunderts, begleitet von katastrophalen Folgen wie unerträglicher Hitze, steigenden Meeresspiegeln und massiven Klimaflüchtlingsströmen. In Deutschland allein sollten Schäden in Höhe von 900 Milliarden Euro entstehen. Doch nun gilt RCP8.5 als zu unrealistisch. Der CO₂-Gehalt der Atmosphäre steigt nicht so stark an wie ursprünglich angenommen. Zwar setzen viele Länder weiterhin auf fossile Energien, doch der Boom der erneuerbaren Energien und der Kernkraft hat die Entwicklung abgeschwächt.
Stattdessen geht der IPCC nun von einem wahrscheinlicheren Szenario aus: RCP4.5, das einen Temperaturanstieg von rund drei Grad vorhersagt. Auch das wäre ein ernsthaftes Problem, aber kein Weltuntergang. Dennoch basiert ein Großteil der deutschen und europäischen Klimapolitik weiterhin auf den Annahmen des RCP8.5-Szenarios. Maßnahmen wie die Senkung des Energieverbrauchs um 26,5 Prozent bis 2030 und die vollständige CO₂-Neutralität bis 2045 in Deutschland sind darauf ausgelegt, die schlimmsten Auswirkungen zu verhindern. Diese Politik geht mit hohen Kosten einher: Sie belastet die Wirtschaft, bremst das Wachstum und treibt die Bürger in die Arme populistischer Parteien wie der AfD.
Kritiker der aktuellen Klimapolitik sehen nun die Chance für eine Kurskorrektur. Sie argumentieren, dass der Klimaschutz weiterhin ein wichtiges Ziel bleiben müsse, aber nicht länger das Primat sein dürfe, dem alles andere untergeordnet wird – egal zu welchen Kosten. In der deutschen Medienlandschaft fand die Rücknahme von RCP8.5 jedoch kaum Beachtung. Lediglich Zeitungen wie Die Welt, Cicero und Bild berichteten darüber. Auch die Politik zeigte sich nicht erleichtert. Das mag daran liegen, dass viele Akteure in Medien, Nichtregierungsorganisationen und Politik ihre Karrieren und Positionen auf den Horrorszenarien aufgebaut haben. Sie sind, so die Kritik, zu „Zeugen Gretas“ geworden – Anhängern einer Ideologie, die von der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg geprägt wurde.
Thunberg wurde durch emotionale Auftritte bekannt, in denen sie Politikern vorwarf, ihre Kindheit gestohlen zu haben, und einen radikalen Umbau der Gesellschaft forderte. Während die meisten anderen Länder wie die USA unter Präsident Obama und China auf technische Lösungen setzten – etwa den Umstieg von Kohle auf Gas oder den massiven Ausbau von Kernkraft und Erneuerbaren – verfolgt Deutschland weiterhin einen Pfad, der Wohlstand vernichtet und Extremisten stärkt. Die Parallelen zu den Zeugen Jehovas sind augenfällig: Auch sie begannen als Endzeitpropheten, deren Vorhersagen sich nicht bewahrheiteten. Heute stehen sie im Nieselregen in Fußgängerzonen. Die Zeugen Gretas sollten diesem Beispiel rasch folgen, bevor der Schaden für die Gesellschaft noch größer wird.
Um die Tragweite dieser Entwicklung zu verstehen, ist ein Blick auf die Entstehung der RCP-Szenarien hilfreich. Die Representative Concentration Pathways (RCPs) wurden vom IPCC entwickelt, um verschiedene mögliche Klimazukünfte zu modellieren. RCP8.5 ging von einem ungebremsten Anstieg der Treibhausgasemissionen aus, der auf intensiver Nutzung fossiler Brennstoffe und fehlendem Klimaschutz beruhte. Dieses Szenario wurde in den frühen 2000er Jahren entworfen, als die Prognosen für den Ausbau erneuerbarer Energien und die Effizienzsteigerungen noch pessimistischer waren. Heute zeigen die Daten, dass die CO₂-Emissionen zwar noch steigen, aber deutlich langsamer als in RCP8.5 angenommen. Der Anteil der Erneuerbaren an der globalen Stromerzeugung liegt bereits bei über 30 Prozent, und die Kosten für Solar- und Windenergie sind drastisch gesunken.
Die deutsche Energiewende ist ein Paradebeispiel für die Diskrepanz zwischen politischen Zielen und realistischer Entwicklung. Obwohl Deutschland massiv in Erneuerbare investiert hat, bleibt der CO₂-Ausstoß hoch, vor allem wegen des Kohleausstiegs, der erst 2038 abgeschlossen sein soll. Gleichzeitig wurden die Kernkraftwerke abgeschaltet, was die Abhängigkeit von Kohle und Gas verlängerte. Die Wirtschaft leidet unter hohen Energiepreisen, und die Bürger protestieren gegen die steigenden Lebenshaltungskosten. Die AfD profitiert von dieser Unzufriedenheit und hat sich in Umfragen auf über 20 Prozent verbessert. Kritiker der Klimapolitik fordern daher eine Rückbesinnung auf marktwirtschaftliche Instrumente wie den CO₂-Preis, der bereits in geringem Umfang existiert, sowie die Förderung von Innovationen statt Verbote.
Die internationale Gemeinschaft hat die Entwicklung inzwischen zur Kenntnis genommen. Die USA unter Präsident Biden haben das Ziel, die Emissionen bis 2050 auf null zu reduzieren, setzen aber auf eine Mischung aus Technologie und natürlichen Senken. China verfolgt einen ehrgeizigen Plan, bis 2060 eine Energieversorgung zu erreichen, die zu 80 Prozent aus Erneuerbaren und zu 20 Prozent aus Kernkraft besteht. Selbst Indien, das wegen seiner wachsenden Bevölkerung und Wirtschaft als großer Emissionsverursacher gilt, investiert massiv in Solarenergie. Vor diesem Hintergrund erscheint die deutsche Politik, die auf drastische Einsparungen und ein Verbot neuer Verbrennungsmotoren setzt, als unrealistisch und kontraproduktiv.
Die wissenschaftliche Korrektur durch den IPCC sollte daher als Chance begriffen werden, die Klimapolitik neu auszurichten. Statt auf Alarmismus und Verbote zu setzen, könnten Deutschland und Europa zu einer rationalen und effizienten Klimapolitik zurückkehren, die Wachstum und Klimaschutz vereint. Die Zeugen Gretas mögen ihre Mission aus Überzeugung verfolgen, aber die Wissenschaft hat gesprochen: Das Ende der Welt ist nicht in Sicht. Es ist Zeit, den Kurs zu korrigieren, bevor die wirtschaftlichen und politischen Kosten unerträglich werden.
Source: Ruhrbarone News